Armin
Nack, Vorsitzender
Richter des 1. Strafsenats des Bundesgerichtshofs über Gert Postel
in einem Vortrag an der juristischen Fakultät der Universität
Passau am 31. Mai 2012:
"...Postel war Obergutachter und ich sage Ihnen
eines: der Postel war der beste Gutachter, besser als die beiden gelernten
Psychiater..."
Gert
Postel berichtet im
Bremen
von seinen Doktorspielen
Lesung im NAHBEI mit anschließender Diskussion
Der
Martinsclub holt Gert Postel für die erste Lesung in seiner Heimatstadt
nach Bremen.
In
den 90er Jahren erregte er viel Aufmerksamkeit als falscher Leitender
Oberarzt in einer psychiatrischen Klinik. 39 Ärzte haben sich
beworben und der Postbote wurde eingestellt sagt Postel. Eineinhalb
Jahre lang führte er sein Gegenüber an der Nase herum. Sogar
zum Vorsitzenden des Fachärzteprüfungsausschusses der sächsischen
Landesärztekammer wurde er benannt.
Warum
das Ganze? Ich wollte mich öffentlich über die so genannte
Wissenschaft der Psychiatrie lustig machen, Macht ausüben, um das
Denken zu verändern, sagt er. Nach seiner Verurteilung und
dem Ende seiner Haftstrafe 2001 schrieb er Erfahrungen und Gedanken nieder.
Seine Geschichte wurde zweifach verfilmt.
Doktorspiele
offenbart Geständnisse eines Hochstaplers unter Hochstaplern,
wie er es selbst bezeichnet. Im Anschluss können die Besucher offen
diskutieren. Siehe
Bericht hier.
Aschermittwoch
2011, Zitat aus der Rede
von Dr. André Hahn: Wie die Moral bei der Beurteilung von G. Postel und
K. T. zu Guttenberg geteilt wird
Wer
über Guttenberg redet, darf Postel nicht vergessen. Der Postbote
Gert Postel wirkte in Sachsen als Leitender Oberarzt im Fachkrankenhaus
für Psychiatrie in Zschadraß. Seine psychiatrischen Gutachten
wurden nie beanstandet, außerdem hielt er anerkannt gute Vorträge
vor Medizinern.
Wäre
Postel nicht zufällig enttarnt worden, hätten womöglich
eine C3-Professur und der Posten als Klinikdirektor im Sächsischen
Krankenhaus für Psychiatrie und Neurologie Arnsdorf auf ihn gewartet.
Trotz seiner tadellosen ärztlichen Tätigkeit verlangte der Freistaat
Sachsen von Postel Gehaltsrückzahlungen in mittlerer sechsstelliger
Größenordnung, da der Mann akademische Qualifikationen vorgetäuscht
habe, über die er nicht verfüge.
Im Unterschied
zum Fall Postel war im Fall Guttenberg eine Bundeskanzlerin der Meinung,
dass ein überführter Hochstapler und Betrüger seinen hoch
dotierten Posten behalten und weiter Bundesverteidigungsminister spielen
darf. Für mich ist das vor allem eines: Doppelmoral pur!
Herr Postel
gilt im Übrigen seit damals als Patron der Psychiatrie-Betroffenen
und hielt z. B. eine -- ich zitiere: "Festrede zum 25. Jubiläum
der Irren-Offensive in Berlin". Was sich rund um Herrn Guttenberg
in den Wochen vor seinem Rücktritt abgespielt hat, war dagegen echt
irre. Da kamen auch aus der sächsischen CDU, deren Vertreter Herrn
Postel nach Bekanntwerden seiner Hochstapelei aufs Gnadenloseste verfolgt
haben, reihenweise Solidaritätsbekundungen. Wahrscheinlich weil Etikettenschwindel
sowieso ein Markenzeichen der so genannten bürgerlichen Politik in
Sachsen ist...
...Wer über
eigene grenzwertige Erfahrung mit akademischen Seelendoktoren verfügt,
weiß auch, wie ausgiebig sie ihrer Deutungshoheit seelischer
Patientenbefindlichkeit frönen (so der Terminus technicus des
praxiserfahrenen Postel).
Selbst bin ich zwar geneigt, seine Behauptung, manche Psychiater könnten
ungeachtet ihres Berufes tatsächlich über einige
Intelligenz verfügen, als Scherz anzusehen, jedoch sind die Diagnosen
und Expertisen medizinischer Größen, ob sie nun Leib oder Seele
betreffen, nicht selten gespickt mit entlarvenden Beweisen einer sich
selbst genügenden Pseudowissenschaft. In der Psychiatrie herrsche
jedenfalls, so Postel, ein grenzenloses Genügen an Worten
samt einer unstillbaren Sehnsucht nach Etikettierung. Als
intellektuelle Herausforderung habe er die Führung einer psychiatrischen
Klinik jedenfalls nie empfunden. Solche Forderungen zu bedienen, fiele
ihm dank gut entwickelter Intuition extrem leicht. Ein echter Oberarzt
gab zu, ihn mehr zu bewundern als zu verurteilen, denn immerhin habe er
keinem Patienten geschadet. Postels Entgegnung: Ich bin ja auch
kein Psychiater. ...
Zitat aus und der ganze Text hier: Der Postler im
Schafspelz von Dr. jur. Gabriele Feyerer
Hochstapler
Postel über zu Guttenberg
"Nicht jede Unwahrheit ist eine Lüge"
Die Ermittlungen
gegen Karl-Theodor zu Guttenberg haben gerade erst begonnen. Für
viele im Land ist jedoch bereits klar: Der Ex-Minister ist ein Hochstapler.
"Es handelt sich um massive, systematische Täuschung",
liest man in einem offenen Brief von Doktoranden an die Bundeskanzlerin.
Guttenbergs Motivation sei gewesen, sich "den Doktortitel zu erschleichen,
mit dem er dann nicht zuletzt auf Wahlplakaten geworben hat", heißt
es weiter.
Doch wie
ist das eigentlich mit der Hochstapelei? Gert Postel ist jemand, der es
wissen muss. Der heute 52-jährige Postel ist ausgebildeter Postbote,
arbeitete jedoch insgesamt mehrere Jahre als leitender Oberarzt und Facharzt
in psychiatrischen Kliniken ohne dass jemand Verdacht schöpfte.
Zudem wurde er als Sachverständiger in zahlreichen Prozessen vor
sächsischen Strafkammern gehört. Am Ende seiner Karriere sollte
er sogar zum Chefarzt im Sächsischen Krankenhaus für Psychiatrie
und Neurologie Arnsdorf befördert werden. Er flog nur auf, weil ihn
eine Mitarbeiterin wiedererkannte, die über seine wirkliche Identität
Bescheid wusste. Der falsche Arzt wurde zu vier Jahren Haft verurteilt.
Wegen guter Führung wurde er im Jahr 2001 nach zwei Jahren entlassen.
n-tv.de:
Herr Postel, viele Menschen bezeichnen Ex-Verteidigungsminister Guttenberg
als "akademischen Hochstapler". Wie sehen Sie das als
Experte auf dem Gebiet?
Gert Postel:
Ich finde, dass Guttenberg überhaupt kein Hochstapler ist, zumindest
nicht im klassischen Sinne. Ich finde, als Adliger darf er abschreiben
und sich bei den geistigen Produkten seiner bürgerlichen Mitmenschen
bedenkenlos bedienen. Das ist sein Recht, genauso wie seinen Vorfahren
noch das "Jus primae noctis", das "Recht auf die erste
Nacht", zustand.
Warum
geben manche Menschen vor, jemand zu sein, der sie nicht sind?
Ich glaube,
dass Geltungssucht fast in jedem Menschen zutiefst verankert ist. Und
die Befriedigung dieser Sucht ist für viele Menschen ungeheuer wichtig
auch wenn das eigentlich gar nicht nötig wäre. Ich würde
mit Schopenhauer zwischen "Willen" und "Intellekt"
unterscheiden. Der Wille schaltet den Intellekt aus. Um es auf Guttenberg
zu beziehen: Sicher war es von ihm keine kluge Aktion, und er hat sie
auch überhaupt nicht nötig gehabt. Aber er war eben ein bisschen
geltungssüchtig, und das wurde ihm zum Verhängnis. Aber wissen
Sie: Die Allgegenwart der Hochstapelei, die kann uns vielleicht auch ein
bisschen mit ihr versöhnen. Es wird generell sehr viel geheuchelt
- oft auch von den falschen Leuten.
Sie sprechen
aus Erfahrung?
Ja. Ich habe
mich beispielsweise immer als "Hochstapler unter Hochstaplern"
gefühlt. Ich habe es mit leeren Worten, die keiner hinterfragt hat,
bis zum Chefarzt geschafft. Ich wusste immer, dass man vermittels sprachlicher
Akrobatik sehr viel bewegen kann. Auf meine Stelle hatten sich 39 Fachärzte
beworben, teilweise habilitiert! Acht davon mussten Vorträge halten
vor der Berufungskommission. Ich habe über die "Pseudologia
phantastica" gesprochen, die "Lügensucht im Dienste der
Ich-Erhöhung am literarischen Beispiel der Figur des Felix Krull".
Und das sprühte doch vor Ästhetik. Schließlich fragte
mich der Vorsitzende der Kommission: Über was haben Sie denn promoviert?
Und ich habe geantwortet: über "Kognitiv induzierte Verzerrung
in der stereotypen Urteilsbildung." Das ist eine Aneinanderreihung
leerer Begriffe also völliger Schwachsinn. Dieser Professor
sagte dann: "Ah, das ist ja interessant. Sie werden sich bestimmt
bei uns wohlfühlen!"
Ist es
die Dreistigkeit, die einen guten von einem schlechten Hochstapler unterscheidet?
Ich würde
eher sagen: Die Kreativität der Darbietung.
Ich stelle
mir das auch ungeheuer belastend vor, täglich mit dem Wissen um die
Gefahr zu leben, irgendwann entlarvt zu werden.
Naja - nehmen
wir mal an, Guttenberg war grundsätzlich bewusst, dass er seinen
Doktortitel zu Unrecht trägt. Ich glaube nicht, dass ihm das dann
jeden Tag gegenwärtig gewesen ist. Er war derart narkotisiert durch
das, was er jeden Tag gemacht hat, dass er darüber nicht mehr nachgedacht
hat. Hinzu kommt auch, dass man - wenn man solche hohen Ämter inne
und eine solche Karriere hingelegt hat in der Hybris lebt, man
sei nicht angreifbar.
Ihnen
wäre das nicht passiert?
Nein, sowas
wäre mir sicher nicht passiert. Ich hätte das nie im Leben gemacht
- weil ich weiß, dass man das ganz schnell hätte rausbekommen
können. Das ist ausgesprochen dumm.
Bei Ihnen
hätte man ja auch nur mal nachforschen müssen, und Sie wären
enttarnt gewesen
Ja, aber
es wird immer nur da nachgeforscht, wo man zweifelt. Wo man nicht zweifelt,
wird nicht nachgeforscht. Und bei mir gab es nichts zu zweifeln.
Dennoch
lebt man in der Angst, dass die Lüge irgendwann auffliegt. War das
für Sie persönlich nicht belastend?
Sie sprechen
von "Lüge". Aber was verstehen Sie darunter? Es war vielmehr
die Ausstattung einer vorhandenen, aber nicht in die Wirklichkeit eingetretenen
Realität mit denjenigen materiellen Merkmalen, derer sie bedarf,
um von der Welt anerkannt und gewürdigt zu werden. Man muss die Begriffe
etwas sorgfältiger wählen. Nicht jede unwahre Aussage hat die
sittliche Qualität einer Lüge. Denn das ist ja eine moralische
Wertung. Ich glaube, dass man manchmal auch der Wahrheit mit den Mitteln
der unwahren Aussage zum Durchbruch verhelfen muss.
Sie würden
also sagen: Sie hatten die Qualifikation als Oberarzt, Ihnen fehlten lediglich
die nötigen Unterlagen dafür.
Die inhaltlichen
Dinge waren bei mir vorhanden, ja. Das hat mir immerhin sogar mein Chef
attestiert: "Herr Oberarzt Dr. Postel übertrifft die Erwartungen."
Und das Ministerium hat mich zum Chefarzt der Forensischen Klinik gemacht.
Ich habe in den zwei Jahren als Oberarzt niemals irgendeine Kritik erfahren
und stand unter permanenter Aufsicht von 40 Ärzten und 10 Psychologen.
Ich war immer in der Offensive, war sogar Weiterbildungsbeauftragter der
sächsischen Ärztekammer.
Sie sollten
sogar zum Professor berufen werden?
Ja. Und ich
bin durch den sächsischen Landtag zum Chefarzt der forensischen Klinik
in Arnsdorf ernannt worden. Ich hab' die Stelle nur nicht angetreten.
"DER
SPIEGEL" berichtet im Heft 51/2010, Seite 169:
Personalien - Gert Postel
Gert
Postel, 52, als falscher Amts- und leitender Oberarzt zu bundesweiter
Berühmtheit gelangt, hat sich als Referent bei der Polizeiakademie
Hessen verdingt.
Anfang Dezember las er vor Führungskräften aus seinem Buch "Doktorspiele".
Darin schildert Postel ausführlich, wie er in den neunziger Jahren
Mediziner, Bürokraten und Politiker zum Narren gehalten hat... Postel,
der einst in Flensburg als "Dr. Dr. Clemens Bartholdy" psychiatrische
Diagnosen stellte und später im sächsischen Landeskrankenhaus
in Zschadraß zahlreiche psychiatrische Gutachten erstellte, saß
wegen Titelmissbrauchs und Urkundenfälschung zweieinhalb Jahre im
Gefängnis.
Sein dreistündiger Auftritt an der Polizeiakademie kam so gut an,
dass ihm die Seminarleitung hinterher schriftlich beschied, die Teilnehmer
hätten "gern noch länger" zugehört.
Sächsischer
Justizminister lobt Gert Postel !
Zitat
aus dessen Rede in der Charité am 15.6.2007, Seite 20: Ein Fall wie vor zehn Jahren in Sachsen, als der
Hochstapler Gert Postel, vormals ein Postbote, als angeblicher Facharzt
für Psychiatrie unbeanstandet mehr als zwei Dutzend Gutachten
fertigen konnte, ist beschämend.
Wir
gratulieren Gert Postel zum prominenten Auftritt in der Schweiz:
Am 4. September 2008 war Gert Postel zusammen mit dem Schweizer Bundesminister
Moritz Leuenberger der von den Besuchern am besten bewertete Referent
beim Wirtschaftsforum der Region Wil zum Thema "Verhalten,
Stil, Moral und Ethik: Erfolgsfaktoren
oder Schlagworte?"
Im Vorfeld der Marburger Lesung hat Gert Postel folgendes Interview gegeben:
Gert
Postel, Sie werden von vielen Menschen verehrt, man hat einen "Gert-Postel-Fan-Club"
(www.gert-postel.de) gegründet, von anderen verurteilt: wer hat recht? ,,Mein Problem bestand eben darin, daß ich gelobt oder getadelt,
aber kaum verstanden wurde. Inzwischen bin ich insoweit bedürfnislos
geworden."
Wer
sind eigentlich die Leser Ihres Buches? ,,Ich habe ausgesuchte Intelligenzen unter meinen Lesern, von Petersburg
bis London, von Zürich und Wien bis nach Paris. Nur in Europas Flachland
Deutschland werde ich kaum zur Kenntnis genommen. Das spricht nicht gegen
mich und nicht für die Herren und Damen Deutschen. Man geht mit mir
nach Maßgabe seiner eigenen Begabung um. Wenn man von den Falschen
gelobt wird, muß man sich ohnehin fragen, was man falsch gemacht
hat. Vor solcher Notwendigkeit stehe ich nicht und stand ich nie."
Wie
sind Sie in den akademischen Kreisen hier in Marburg aufgenommen worden?
,,Ich hatte Standesdünkel, Arroganz, Kälte und despektierliches
Weggucken erwartet und war ganz überrascht, daß mir seitens
der bildungsbürgerlichen Professorengesellschaft stattdessen durchgängig
mit Demut und menschlicher Warmherzigkeit und Respekt begegnet wurde.
Man war sich auch nicht zu schade, jemanden ohne akademische Grade und
mit einfachem Hauptschulabschluß in seine engeren Zirkel zuzulassen.
Nein, man war vorurteilslos, welche charakterliche Eigenschaft ja auch
ein untrügliches Zeichen hoher Bildung ist; man war nicht so, wie
von den Stammtischen gewohnt, dessen Vorurteilsstrukturen ja oft geradezu
menschenverachtende Züge annehmen und den Blick verstellen. Das hat
mich berührt, hat mich auch ein bißchen beschämt, hat
vor allem vieles erleichtert."
Könnte
man sagen, daß Sie während Ihrer Oberarztzeit Menschen getäuscht
haben? ,,Nein, ich habe Täuschungen sichtbar gemacht und aufgehoben. Ich
habe den Psychiatern einen Spiegel vorgehalten, in welchem sie häßlich
aussahen. Unbegabt und selbstverliebt, wie sie sind, haben sie dann auf
den Spiegel eingeschlagen, statt zu lernen. Aber, was kann der Spiegel
dafür, wenn ich häßlich bin? Ach, wo ist in den Bezirken
der Psychiatrie, der Psychotherapie und Psychologie eine Eitelkeit, die
ich nicht verletzt hätte? Natürlich, man darf gute Leute nicht
belügen, aber die Betrüger zu betrügen, war schon immer
eine List der Schwachen gegen die Starken und eines der schönsten
Spiele überhaupt. Auch hat noch nicht jede unwahre Aussage die sittliche
Qualität einer Lüge. Manchmal muß man mit der Täuschung
der Wahrheit zum Durchbruch verhelfen."
Aber
Sie haben Menschen manipuliert. ,,Verhaltensbeeinflussung ist eine verbreitete Methode unter den Menschen
wie unter den Tieren. Eine Methode kann man nicht von ihrer Mißbrauchsmöglichkeit
her definieren. Sie können die Flugtechnik nicht mit dem Argument
verwerfen, mit Flugzeugen ließen sich Städte bombardieren.
Eine Manipulation, die auf den Nutzen des Manipulierten oder auf solidarischen
Nutzen abzielt, ist sittlich nicht nur gerechtfertigt, sondern geboten.
Wenn ich aber eine Person der Behandlung durch einen Psychiater entziehe,
habe ich ihr bereits dadurch geholfen. Was ist denn Psychiatrie anderes
als schlimmste Manipulation und - teils zwangsweise - Entmündigung
hilflos gemachter Menschen? Auch wäre die Frage zu stellen, ob es
so etwas wie psychiatrische Erkrankung überhaupt gibt oder sich nicht
bloß im Sprechakt des Arztes bei der Diagnosestellung erschöpft,
- zum eigenen Machterhalt. Psychiatrische Diagnostik ist immer auch Ausgrenzung
nach der Banalität: ,,Du bist krank, ich aber bin gesund." Wer in
eine psychiatrische Praxis geht, hat die Definitionshoheit über seine
Gefühle verloren. Psychiater sind übrigens sprachakrobatisch
sehr gewandte Leute, die in ihren Gutachten jeweils auch das Gegenteil
und das Gegenteil vom Gegenteil völlig plausibel begründen können.
Plausibilität aber sagt über den Realitätsgehalt noch gar
nichts. Ich habe mich während meines Rollenspiels oft als Hochstapler
unter Hochstaplern gefühlt."
Womit
beschäftigen Sie sich zur Zeit? ,,Ich habe keine Langeweile. Mein Kopf ist ein riesiges Ersatzteillager
neuer Ideen, die sich aber nur zu einem geringen Teil in der Öffentlichkeit
erörtern lassen. Es geht auch nicht jeden alles an. Was man wissen
darf, ist, daß es im nächsten Jahr ein neues Buch geben wird,
das ebenfalls hauptsächlich in der Psychiatrie spielt, aber auch
in Marburg im sehr Realen.
Man erfährt hier ja viel, über das man staunt und das einen
drängt, aufgeschrieben zu werden. Man muß das alles wahrnehmen,
ohne es zu empfinden. Ich will nicht viel Konkretes sagen, aber diese
wunderbare Marburger Gesellschaft wird auch bald in ihren Spiegel schauen
dürfen, wie ehedem - und immer noch - die Freunde vom psychiatrischen
Gewerbe. Außerdem wird mein erstes Buch für das Kino verfilmt.
Auch dieser Film wird eine Überraschung werden, über welche
die guten Leute lachen und lernen werden, die anderen hingegen werden
vielleicht wutschnaubend zu Unkontrolliertheiten neigen. Mich freut das
alles sehr."
Was
würden Sie jemandem antworten, der Ihnen vorwürfe, Sie seien
eher etwas unbescheiden?
,,Na, ich würde vielleicht sagen, daß Bescheidenheit bei mittelmäßigen
Talenten bloße Ehrlichkeit sei, bei großen jedoch Heuchelei."
"Als Hochstapler unter Hochstaplern"
Gert Postel: "Doktorspiele. Geständnisse eines Hochstaplers"
Lesung und anschließendes
Gespräch
Als der falsche
Amtsarzt "Dr. Dr. Bartholdy" wurde der gelernte Postbote Gert Postel 1983
erstmals der Öffentlichkeit bekannt. Die anschließenden strafrechtlichen
Sanktionen hinderte Postel jedoch nicht weiterhin nach Wallraff-Art im
Psychiatriebetrieb Karriere zu machen. Der erste Höhepunkt seiner
Karriere war mit der Stelle als leitender Oberarzt einer großen
Psychiatrischen Klinik in Sachsen erreicht. Er machte seine Sache so gut,
dass der sächsische Staatsminister ihn sogar zum Chefarzt für
gerichtliche Psychiatrie in Arnsodorff bei Dresden erklärte.
Mittlerweile
hat Postel, dem psychiatrischen Feld treu geblieben, nur die Seiten gewechselt
und engagiert sich inzwischen in der antipsychiatrischen Bewegung, die
ihm sogar eine eigene Homepage widmet (www.gert-postel.de).
Postels außergewöhnliche
berufliche Laufbahn -- mit Hauptschulabschluss zum Chefarzt -- bot dem
ZDF Stoff genug um eine Doku-Soap mit und über ihn zu drehen, während
die ARD sich in einer Biographie mit dem Thema befasste. Darüber
hinaus schrieb Postel selbst seinen Werdegang in dem Buch "Doktorspiele.
Geständnisse eines Hochstaplers" (Eichborn 2001) nieder, das wochenlang
in den Spiegel-Bestellerliste platziert war.
Zitate aus:
Seite 18 HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG Hannover
ZU
GAST IN HANNOVER von HEINRICH THIES
Gert
Postel referiert in der IGS Mühlenberg über seine "Doktorspiele"
...Gert
Postel, alias Dr. med Dr. phil Clemens Bartholdy, gilt als Star
unter den Hochstaplern. In der Integrierten
Gesamtschule Mühlenberg [Hannover] las der gebürtige
Bremer jetzt aus seinem Buch "Doktorspiele" - quasi in
der Nachfolge Thomas Manns, dessen "Bekenntnisse des Hochstaplers
Felix Krall" derzeit Pflichtlektüre für das Zentralabitur
sind.
"Ich
lasse nur unkritische Fragen zu", kündigt der großgewachsene
Mann im schlichten Jackett zu Beginn der anschließenden Fragerunde
an. Das ist natürlich ironisch gemeint. Aber mit Ironie ist
es bekanntlich so eine Sache. Kritische Fragen jedenfalls wehrt
Postel in der Regel tatsächlich ab. Ob er keine Angst hatte,
mit seinem mangelnden Fachwissen Patienten zu schaden? "Die
Frage enthält die Implikation, Psychiater hätten Fachwissen",
kontert Postel keck. Nicht selten seien psychiatrische Diagnosen
"eine Form des sozialen Mordens", zudem sei es fraglich,
"ob es überhaupt psychiatrische Krankheiten gibt".
Solche
Antworten finden den Beifall des Vereins Psychiatrie-Erfahrener,
der seine Mitglieder aufgerufen hat, an der Lesung teilzunehmen.
Denn Postel ist zum Helden der Antipsychiatriebewegung geworden.
Sein Hauptanliegen, sagt er, sei es gewesen, den Psychiatriebetrieb
der Lächerlichkeit zu überführen. "Ich war ein
Hochstapler unter Hochstaplern." Und niemand habe zu zweifeln
gewagt, wenn er Krankheitsbilder wie die "bipolare Depression
dritten Grades" erfunden habe .
Gert Postel, 48 Jahre alter Hochstapler,
soll den Nobelpreis für Medizin bekommen.
Das zumindest findet die Bundesarbeitsgemeinschaft
Psychiatrie-Erfahrener (BPE), die zusammen mit
anderen Vereinen eine entsprechende Kampagne
gestartet hat. Schon vor zwei Jahren hatte die
BPE in einem Beschluss festgestellt, Postel
habe "mit seinen existentiellen Experimenten
mehrmals den Beweis dafür angetreten, dass
es kein psychiatrisches Wissen gibt, sondern
es sich nur um eine Täuschung handelt,
die in betrügerischer Weise auf der Vorspiegelung
von Wissenschaftlichkeit durch einen Jargon
beruht". Mit "existentiellen Experimenten" umschreibt
der Verein, dass sich der Briefträger mit
gefälschten Zeugnissen auch Anstellungen
als Arzt verschafft hat und in den neunziger
Jahren zwei Jahre lange als "Oberarzt" und "Psychiater"
im sächsischen Zschardraß tätig
war. Das Leipziger Landgericht verurteilte Gert
Postel dafür zu vier Jahren Haft. (reb.)
Der falsche Arzt Gert Postel
führt heute in Dresden den Protest gegen
einen Psychiatrie-Kongress an.
Von Heinrich Löbbers
Das wäre die Krönung einer der kuriosesten
Karrieren im ganzen Lande. Ein gelernter
Postbote, der als falscher Arzt Karriere machte
und als Hochstapler verurteilt wurde, soll den
Nobelpreis für Medizin bekommen. So
fordert es jedenfalls die Bundesarbeitsgemeinschaft
Psychiatrie-Erfahrener. Gert Postel habe
bewiesen, dass es gar kein psychiatrisches Wissen
gebe und Psychiatrie gegen die Menschlichkeit
gerichtet sei, so die Begründung. In der
Tat hatte sich Postel ja in den 90er Jahren
mit gefälschten Zeugnissen zum Oberarzt
der Nervenklinik Zschadraß bei Leipzig
hochgestapelt und wäre beinahe sogar
Chefarzt des psychiatrischen Krankenhauses
in Arnsdorf bei Dresden geworden. Seine Köpenickiade
offenbarte einige Peinlichkeiten.
Das mit dem Nobelpreis ist eine verrückte
Idee, die gewiss nicht erhört wird. Gert
Postel aber kommt zu neuen Ehren. Heute hat
er seinen großen Auftritt in Dresden -
als Schirmherr der Anti-Psychiatrie-Bewegung.
Er soll den Protest der "Psychiatrie-Erfahrenen"
gegen einen internationalen Kongress anführen,
den der Dresdner Professor Thomas Kallert organisiert
hat. Dort wollen einige Hundert Ärzte über
Zwangsbehandlungen in der Psychiatrie diskutieren.
Aus Kallerts Sicht können solche Zwangsmaßnahmen
durchaus gerechtfertigt sein, für die Protestierer
aber sind sie Folter.
Ein Fall für Postel, der inzwischen eine
Haftstrafe abgesessen, ein Buch mit dem Titel
"Doktorspiele" geschrieben hat und an einem
weiteren schreibt. Der 48-Jährige, der
jetzt in Marburg wohnt, ist ja nicht etwa reumutig,
sondern offenbar stolz auf seinen beruflichen
Werdegang. Er habe ein "gesellschaftskritisches
Ding" gemacht und der Psychiatrie den Spiegel
vorgehalten, lobt er sich selbst. In Dresden
will er heute aus seinem Buch lesen und "kritische
Kommentare" zum Kongress der "World Psychiatrie
Association" verkünden. "Die Macht
der Psychiatrie" heißt die Veranstaltung,
für die das Rathaus um 19 Uhr sogar den
Ratssaal zur Verfügung stellt. In den nächsten
Tagen finden zudem Protestaktionen am Rande
der Tagung im Kongresszentrum statt.
Aus Sicht der "Psychiatrie-Erfahrenen"
hat Postel einen empirischen Beweis dafür
geliefert, dass es so etwas wie psychische Krankheit
gar nicht gibt". Der Hochstapler ist für
sie ein Held, der im Internet mittlerweile sogar
einen eigenen Fanclub hat. In Dresden werden
seine Fans ihrem Helden nun auch leibhaftig
huldigen.
Wir freuen uns mitteilen zu können, dass die-BPE
gemeinsam mit kooperierenden Organisationen eine Kampagne
initiiert hat, in der Gert Postel für den Medizin
Nobelpreis vorgeschlagen wird.
Neben den Informationen über den inzwischen angemeldeten
Protest gegen den Weltkongress der Psychiatrie in
Dresden, möchten wir Sie gerne über diese
Kampagne, ihre Motivation und wie sie international
unterstützt wird, vertraut machen
Bemerkenswert ist im Übrigen, dass der Organisator des Kongresses
der World Psychiatric Association, Prof. Kallert,
nun auch öffentlich bestätigte, dass Folter,
Zwang und Gewalt in der Psychiatrie bei diesem Kongress
nicht diskutiert, sondern nur perfektioniert werden
sollen. Zitat Prof. Kallert am 24.5. in der LVZ und
der DNN: "Natürlich sind Zwangsmaßnahmen
in der Psychiatrie gerechtfertigt."
Wir freuen uns, dass sich zumindest unser Wunsch nach
einem finanziellen Fiasko dieses Kongresses erfüllt:
Wie unsere Ermittlungen inzwischen ergeben haben,
kommen statt der erwarteten 1500 Besucher kaum 300
Besucher zu diesem verwerflichen Treffen. Damit entpuppt
sich der Kongress nicht nur inhaltlich, sondern auch
finanziell als ein jämmerliches Desaster.
Es wird Zeit für eine Entschuldigung
In
der schon lange währenden Debatte um die
Verantwortung der Wissenschaft für Verbrechen
gegen die Menschlichkeit wurde eine Institution
bisher ausgeblendet: der Nobelpreis.
Als
Unterzeichner dieses Aufrufs wollen wir an die
unmoralische Verleihung des Nobelpreises für
Lobotomie
an Antonio Egas Moniz im Jahr 1949 erinnern.
Die Lobotomie, insbesondere wenn sie mit dem
in der Psychiatrie üblichen Zwang und unter
Gewaltanwendung ausgeübt wurde, war ein
offensichtliches Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
Dafür Antonio Egas Moniz mit dem Nobel-Preis
zu belohnen, gab dieser Grausamkeit den Ruf
guter medizinischer Praxis und förderte
ihren Gebrauch.
Da
der Nobelpreis nicht zurückgenommen werden
kann, appellieren wir an das Nobelpreis-Komitee
sowie die Universitäten, die zur Nomination
für den Nobelpreis autorisiert sind, sich
mit einer Geste eigener Art zu entschuldigen:
Durch die Verleihung des Nobelpreises für
Medizin an Gert Postel, der erfolgreich den
Chefarzt einer Psychiatrie vorgetäuscht
hat. Seit 1981 hat er dreimal bewiesen, dass
es gar kein psychiatrisches Wissen gibt und
er hat somit Psychiatrie als eine gegen die
Menschlichkeit gerichtete Institution aufgedeckt.
Er hat mit seinem existentiellen Experiment
bewiesen, dass es innerhalb der Wissenschaft
eine Stimme der Moral gibt, welche in der Tat
notwendig ist, um die Möglichkeiten von
wissenschaftsfundierter Technik und medizinischer
Praxis zu begrenzen.
Dieser
Aspekt von Gert Postels Arbeit muss belohnt
werden, jenseits aller Kontroverse darüber,
ob er kriminelle Methoden anwendete, als er
eine ärztliche Approbation fälschte,
die es in der Psychiatrie sowieso nicht geben
kann und die ihn insofern in einen diametralen
Gegensatz zu einem der Hauptdogmen der Medizin
gebracht hat.
Gert
Postel vollendete das berühmte David L.
Rosenhan Experiment und hat bewiesen, dass es
auch auf der Ärzteseite jederzeit wiederholt
werden kann. Er hat folglich einen empirischen
Beweis dafür geliefert, dass es so etwas
wie "psychische Krankheit" gar nicht gibt.
Beschluss
der Mitgliederversammlung der Bundesarbeitsgemeinschaft
Psychiatrie-Erfahrener e.V. vom 15.5.2007
Beschluss der Mitgliederversammlung der International
Association Against Psychiatric Assault vom
24.4.2007
Beschluss des Plenum des Werner-Fuss-Zentrums
vom 23.5.2007
Beschluss der Vorstände von Landesverband
Psychiatrie-Erfahrnerer Berlin-Brandenburg e.V.
und Irren-Offensive e.V.
Haus der Demokratie und Menschenrechte
Greifswalder Straße 4
10405 Berlin
Fax: 030-782 8947 www.die-bpe.de
17. Mai 2007
Presseerklärung:
The torturers
are worried - Die Folterer sind in Sorge
Vom
6.-8. Juni soll in Dresden ein Weltkongress
der Psychiatrie zum Thema Zwangsbehandlung
stattfinden.
Wir meinen, dass psychiatrische
Zwangsbehandlung menschenverachtende Folter
ist.
Wir
fordern die Veranstalter auf, den Kongress
abzusagen. Teilnehmer, die schon ihre Anreise
und Übernachtung gebucht haben, könnten
stattdessen die touristischen Attraktionen
von Dresden genießen.
Der Kongress ist von Übel, da ihm als
Prämisse folterartiger Zwang und Gewalt
in der Psychiatrie zugrunde liegen. Genau
diese Prämisse bestreiten wir. Für
diese Gewaltmaßnahmen kann es auch dann
keine Entschuldigung geben, wenn behauptet
wird, es handle sich um eine "medizinische"
Behandlung, denn für eine solche müsste
der Grundsatz des "informed consent", d.h.
informierte Zustimmung, als unverletzliches
Menschenrecht gelten.
Die unmittelbare Nähe von psychiatrischer
Zwangsbehandlung und Folter ist also evident1.
Für
die medizinisch maskierte psychiatrische Gewalt
in Form von Einsperrung und Zwangsbehandlung
bildet eine Schein"Diagnose" in psychiatrischem
Jargon die Grundlage. Wir meinen, dass es
sich dabei um eine Verleumdung handelt, insbesondere
bei solchen Worten wie "Schizophrenie", der
Erfindung eines gewissenlosen Eugen Bleulers,
der inzwischen bekannt dafür geworden
ist, dass er seriell ein typisches Naziverbrechen
begangen hat: Zwangssterilisationen. Diese
Zwangssterilisationen waren der Auftakt für
die Singularität der deutschen Ärzteverbrechen:
systematischer Massenmord in der Gaskammer,
der die Vorlage für den Mord an den europäischen
Juden, Sinti, Roma und Anderen war.
Niemand
hat die völlige Inhaltsleere des psychiatrischen
Jargons besser demonstriert als Gert Postel.
Gert Postel wurde, obwohl nur ausgebildet
zum Postboten, zum Chefarzt einer sächsischen
Psychiatrie befördert. Durch seine verdeckten
Ermittlungen kennt er den Machtapparat der
Zwangspsychiatrie von innen. So kann er von
der Innenseite einer Macht berichten, die
nur auf der Mystifikation eines nicht-vorhandenen
Wissens und der Gläubigkeit ihrer Untertanen
beruht. Deshalb freuen wir uns sehr, dass
wir ihn für eine Veranstaltung am 6.
Juni um 19 Uhr im Dresdner Rathaus gewinnen
konnten, in der er die Strukturen ihrer Machterhaltung
ironisiert.
Diese Veranstaltung findet in Kooperation
mit WIR e.V. Dresden statt.
Um
der interessierten Öffentlichkeit in
Dresden eine breite Informationsmöglichkeit
zu bieten, zeigen wir außerdem bei freiem
Eintritt im Filmtheater Metropolis die Filmreihe
Psychiatrie-Kritik:
5. Juni - 20 Uhr: Das Foucault Tribunal
22 Uhr: Interview mit Gert Postel + Michel Foucault, Philosoph
7. Juni - 20 Uhr: For your own good
22 Uhr: Frances
8. Juni - 20 Uhr: Sichten und Vernichten + Unheimliches Wiedersehen
22 Uhr: Healing by Killing
Direkter
Protest vor dem Kongressgebäude ist in
Planung. Wir hoffen, dass den Teilnehmern
des Kongresses rechtzeitig verständlich
wird, das dieser Kongress von den Betroffenen
unerwünscht ist. Er möge für
die Veranstalter ein finanzielles Fiasko werden,
wenn unsere Forderung einer Stornierung des
Kongresses ignoriert werden sollte.
Beschluss der Mitgliederversammlung
der Bundesarbeitsgemeinschaft Psychiatrie-Erfahrener
e.V. vom 15.5.2007
"Fehler, die
da fast zwangläufig entstehen, fallen
den Richtern - psychiatrischen Laien - häufig
nicht auf. Wie sonst hätte etwa der Hochstapler
Gert Postel, vormals Postbote, zwischen 1995
und 1997 als angeblicher Facharzt für
Psychiatrie in Sachsen unbeanstandet mehr
als zwei Dutzend Gutachten verfassen können?"
Leserbrief von Gert Postel an den "Spiegel" als Antwort
darauf:
Meine Gerichtsgutachten sind leider kein gutes Beispiel, um die These
von den leicht zu täuschenden deutschen
Richtern zu belegen. Denn meine Gutachten
erfüllten die von den Professoren Leygraf
und Kröber (auch zum eigenen Machterhalt)
propagierten Mindesstandards für Schuldfähigkeits-
und Prognosegutachten allemal. Das lag u.a.
daran, daß sich in der Zschadrasser
Klinikbibliothek ein Muttergutachten befand,
das ich in Gliederung und Klarheit der Diktion
mir immer wieder zum Vorbild nahm. Verfasser
dieses Muttergutachtens war - wen wundert´s
- Prof. Dr. Norbert Leygraf. Als ich aufflog,
wurden alle meine Gutachtenfälle nachbegutachtet,
ohne dass eine einzige Beurteilung geändert
werden mußte. Es geht nämlich bei
der Begutachterei weniger um die Einhaltung
formaler Kriterien als um das untrügliche
Gespür dafür, was die Zeitläufe
gegenwärtig von den führenden Psychiatern
des Landes erwarten.
Dieses Gespür besitzt nicht jeder Psychiater,
wohl aber Karl-Ludwig Kröber und Norbert
Leygraf (und ich).