G e s e l l s c h a f t
Wie ein Postbote die Psychiatrie überführt...
..und zum Schirmherrn Psychiatrie-Erfahrener wurde!






Audio

Interview mit Gert Postel

in Mikado beim Hessischen Rundfunk 2

vom 16.1.07

Interviews mit Gert Postel
Dissidentenfunk: Interview 1
| Interview 2
TV Interview in English und in Russisch
Fernsehauftritte
Zeitungsberichte: Deutsch | Nederlands
Gert Postel in Hebräisch /Gert Postel in den USA
Umbenennung in der Charité
Festrede bei der Irren-Offensive in Berlin | audio
Gert Postel im Internet: Deutsch / Polski / Nederlands
Gert Postel in der Diplomarbeit (Universität Marburg)
Gert Postel Lehrstoff in der Schule
Sein Bestseller "Doktorspiele":
Rezension - Leseprobe - Bestellung
Rezension in "Psychotherapie"
Fachartikel über Gert Postel in "CliniCum"
Gert Postels Rechtsanwälte:
Nicolas Becker und Stefan Conen
Impressum
Direktkontakt zu Gert Postel:

Sächsischer Justizminister lobt Gert Postel !

Zitat aus dessen Rede in der Charité am 15.6.2007, Seite 20:
Ein Fall wie vor zehn Jahren in Sachsen, als der Hochstapler Gert Postel, vormals ein Postbote, als angeblicher Facharzt für Psychiatrie unbeanstandet mehr als zwei Dutzend Gutachten fertigen konnte, ist beschämend.

Wir gratulieren Gert Postel zum prominenten Auftritt in der Schweiz:

Am 4. September 2008 war Gert Postel zusammen mit dem Schweizer Bundesminister Moritz Leuenberger der von den Besuchern am besten bewertete Referent beim Wirtschaftsforum der Region Wil zum Thema "Verhalten, Stil, Moral und Ethik:
Erfolgsfaktoren oder Schlagworte?"

Im Vorfeld gab es eine positive Berichterstatung durch die St. Gallener "Stadt 24"


Im Vorfeld der Marburger Lesung hat Gert Postel folgendes Interview gegeben:

Gert Postel, Sie werden von vielen Menschen verehrt, man hat einen "Gert-Postel-Fan-Club" (www.gert-postel.de) gegründet, von anderen verurteilt: wer hat recht?
,,Mein Problem bestand eben darin, daß ich gelobt oder getadelt, aber kaum verstanden wurde. Inzwischen bin ich insoweit bedürfnislos geworden."

Wer sind eigentlich die Leser Ihres Buches?
,,Ich habe ausgesuchte Intelligenzen unter meinen Lesern, von Petersburg bis London, von Zürich und Wien bis nach Paris. Nur in Europas Flachland Deutschland werde ich kaum zur Kenntnis genommen. Das spricht nicht gegen mich und nicht für die Herren und Damen Deutschen. Man geht mit mir nach Maßgabe seiner eigenen Begabung um. Wenn man von den Falschen gelobt wird, muß man sich ohnehin fragen, was man falsch gemacht hat. Vor solcher Notwendigkeit stehe ich nicht und stand ich nie."

Wie sind Sie in den akademischen Kreisen hier in Marburg aufgenommen worden?
,,Ich hatte Standesdünkel, Arroganz, Kälte und despektierliches Weggucken erwartet und war ganz überrascht, daß mir seitens der bildungsbürgerlichen Professorengesellschaft stattdessen durchgängig mit Demut und menschlicher Warmherzigkeit und Respekt begegnet wurde. Man war sich auch nicht zu schade, jemanden ohne akademische Grade und mit einfachem Hauptschulabschluß in seine engeren Zirkel zuzulassen. Nein, man war vorurteilslos, welche charakterliche Eigenschaft ja auch ein untrügliches Zeichen hoher Bildung ist; man war nicht so, wie von den Stammtischen gewohnt, dessen Vorurteilsstrukturen ja oft geradezu menschenverachtende Züge annehmen und den Blick verstellen. Das hat mich berührt, hat mich auch ein bißchen beschämt, hat vor allem vieles erleichtert."

Könnte man sagen, daß Sie während Ihrer Oberarztzeit Menschen getäuscht haben?
,,Nein, ich habe Täuschungen sichtbar gemacht und aufgehoben. Ich habe den Psychiatern einen Spiegel vorgehalten, in welchem sie häßlich aussahen. Unbegabt und selbstverliebt, wie sie sind, haben sie dann auf den Spiegel eingeschlagen, statt zu lernen. Aber, was kann der Spiegel dafür, wenn ich häßlich bin? Ach, wo ist in den Bezirken der Psychiatrie, der Psychotherapie und Psychologie eine Eitelkeit, die ich nicht verletzt hätte? Natürlich, man darf gute Leute nicht belügen, aber die Betrüger zu betrügen, war schon immer eine List der Schwachen gegen die Starken und eines der schönsten Spiele überhaupt. Auch hat noch nicht jede unwahre Aussage die sittliche Qualität einer Lüge. Manchmal muß man mit der Täuschung der Wahrheit zum Durchbruch verhelfen."

Aber Sie haben Menschen manipuliert.
,,Verhaltensbeeinflussung ist eine verbreitete Methode unter den Menschen wie unter den Tieren. Eine Methode kann man nicht von ihrer Mißbrauchsmöglichkeit her definieren. Sie können die Flugtechnik nicht mit dem Argument verwerfen, mit Flugzeugen ließen sich Städte bombardieren. Eine Manipulation, die auf den Nutzen des Manipulierten oder auf solidarischen Nutzen abzielt, ist sittlich nicht nur gerechtfertigt, sondern geboten. Wenn ich aber eine Person der Behandlung durch einen Psychiater entziehe, habe ich ihr bereits dadurch geholfen. Was ist denn Psychiatrie anderes als schlimmste Manipulation und - teils zwangsweise - Entmündigung hilflos gemachter Menschen? Auch wäre die Frage zu stellen, ob es so etwas wie psychiatrische Erkrankung überhaupt gibt oder sich nicht bloß im Sprechakt des Arztes bei der Diagnosestellung erschöpft, - zum eigenen Machterhalt. Psychiatrische Diagnostik ist immer auch Ausgrenzung nach der Banalität: ,,Du bist krank, ich aber bin gesund." Wer in eine psychiatrische Praxis geht, hat die Definitionshoheit über seine Gefühle verloren. Psychiater sind übrigens sprachakrobatisch sehr gewandte Leute, die in ihren Gutachten jeweils auch das Gegenteil und das Gegenteil vom Gegenteil völlig plausibel begründen können. Plausibilität aber sagt über den Realitätsgehalt noch gar nichts. Ich habe mich während meines Rollenspiels oft als Hochstapler unter Hochstaplern gefühlt."

Womit beschäftigen Sie sich zur Zeit?
,,Ich habe keine Langeweile. Mein Kopf ist ein riesiges Ersatzteillager neuer Ideen, die sich aber nur zu einem geringen Teil in der Öffentlichkeit erörtern lassen. Es geht auch nicht jeden alles an. Was man wissen darf, ist, daß es im nächsten Jahr ein neues Buch geben wird, das ebenfalls hauptsächlich in der Psychiatrie spielt, aber auch in Marburg im sehr Realen.
Man erfährt hier ja viel, über das man staunt und das einen drängt, aufgeschrieben zu werden. Man muß das alles wahrnehmen, ohne es zu empfinden. Ich will nicht viel Konkretes sagen, aber diese wunderbare Marburger Gesellschaft wird auch bald in ihren Spiegel schauen dürfen, wie ehedem - und immer noch - die Freunde vom psychiatrischen Gewerbe. Außerdem wird mein erstes Buch für das Kino verfilmt. Auch dieser Film wird eine Überraschung werden, über welche die guten Leute lachen und lernen werden, die anderen hingegen werden vielleicht wutschnaubend zu Unkontrolliertheiten neigen. Mich freut das alles sehr."

Was würden Sie jemandem antworten, der Ihnen vorwürfe, Sie seien eher etwas unbescheiden?

,,Na, ich würde vielleicht sagen, daß Bescheidenheit bei mittelmäßigen Talenten bloße Ehrlichkeit sei, bei großen jedoch Heuchelei."


Fr. 19.01.2007, 20 Uhr in der Waggonhalle Kulturzentrum, Marburg an der Lahn (Programm hier lesen)

"Als Hochstapler unter Hochstaplern"
Gert Postel: "Doktorspiele. Geständnisse eines Hochstaplers"

Lesung und anschließendes Gespräch

Als der falsche Amtsarzt "Dr. Dr. Bartholdy" wurde der gelernte Postbote Gert Postel 1983 erstmals der Öffentlichkeit bekannt. Die anschließenden strafrechtlichen Sanktionen hinderte Postel jedoch nicht weiterhin nach Wallraff-Art im Psychiatriebetrieb Karriere zu machen. Der erste Höhepunkt seiner Karriere war mit der Stelle als leitender Oberarzt einer großen Psychiatrischen Klinik in Sachsen erreicht. Er machte seine Sache so gut, dass der sächsische Staatsminister ihn sogar zum Chefarzt für gerichtliche Psychiatrie in Arnsodorff bei Dresden erklärte.

Mittlerweile hat Postel, dem psychiatrischen Feld treu geblieben, nur die Seiten gewechselt und engagiert sich inzwischen in der antipsychiatrischen Bewegung, die ihm sogar eine eigene Homepage widmet (www.gert-postel.de).

Postels außergewöhnliche berufliche Laufbahn -- mit Hauptschulabschluss zum Chefarzt -- bot dem ZDF Stoff genug um eine Doku-Soap mit und über ihn zu drehen, während die ARD sich in einer Biographie mit dem Thema befasste. Darüber hinaus schrieb Postel selbst seinen Werdegang in dem Buch "Doktorspiele. Geständnisse eines Hochstaplers" (Eichborn 2001) nieder, das wochenlang in den Spiegel-Bestellerliste platziert war.

-----------------------------------------

Waggonhalle Kulturzentrum e.V.
Rudolf-Bultmann-Str. 2a
35039 Marburg
Tel: (0 64 21) 69 06 26
Fax: (0 64 21) 6 25 79
www.waggonhalle.de

NEU: Zitate aus:
Seite 18 HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG Hannover
FREITAG, 22. FEBRUAR 2008
---ZU GAST IN HANNOVER von HEINRICH THIES

Gert Postel referiert in der IGS Mühlenberg über seine "Doktorspiele"

...Gert Postel, alias Dr. med Dr. phil Clemens Bartholdy, gilt als Star unter den Hochstaplern. In der Integrierten Gesamtschule Mühlenberg [Hannover] las der gebürtige Bremer jetzt aus seinem Buch "Doktorspiele" - quasi in der Nachfolge Thomas Manns, dessen "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krall" derzeit Pflichtlektüre für das Zentralabitur sind.

"Ich lasse nur unkritische Fragen zu", kündigt der großgewachsene Mann im schlichten Jackett zu Beginn der anschließenden Fragerunde an. Das ist natürlich ironisch gemeint. Aber mit Ironie ist es bekanntlich so eine Sache. Kritische Fragen jedenfalls wehrt Postel in der Regel tatsächlich ab. Ob er keine Angst hatte, mit seinem mangelnden Fachwissen Patienten zu schaden? "Die Frage enthält die Implikation, Psychiater hätten Fachwissen", kontert Postel keck. Nicht selten seien psychiatrische Diagnosen "eine Form des sozialen Mordens", zudem sei es fraglich, "ob es überhaupt psychiatrische Krankheiten gibt".

Solche Antworten finden den Beifall des Vereins Psychiatrie-Erfahrener, der seine Mitglieder aufgerufen hat, an der Lesung teilzunehmen. Denn Postel ist zum Helden der Antipsychiatriebewegung geworden. Sein Hauptanliegen, sagt er, sei es gewesen, den Psychiatriebetrieb der Lächerlichkeit zu überführen. "Ich war ein Hochstapler unter Hochstaplern." Und niemand habe zu zweifeln gewagt, wenn er Krankheitsbilder wie die "bipolare Depression dritten Grades" erfunden habe….

In den Fernsehnachrichten des MDR wird am 7.6.2007 über die Lesung von Gert Postel im Rathaus von Dresden und die Reaktion von Seiten des WPA Kongresses berichtet - Transkription und Videomitschnitt


Frankfurter Allgemeine Zeitung - Dienstag, 5. Juni 2007, Nr. 128 / Seite 11

Kurze Meldungen


Gert Postel, 48 Jahre alter Hochstapler, soll den Nobelpreis für Medizin bekommen. Das zumindest findet die Bundesarbeitsgemeinschaft Psychiatrie-Erfahrener (BPE), die zusammen mit anderen Vereinen eine entsprechende Kampagne gestartet hat. Schon vor zwei Jahren hatte die BPE in einem Beschluss festgestellt, Postel habe "mit seinen existentiellen Experimenten mehrmals den Beweis dafür angetreten, dass es kein psychiatrisches Wissen gibt, sondern es sich nur um eine Täuschung handelt, die in betrügerischer Weise auf der Vorspiegelung von Wissenschaftlichkeit durch einen Jargon beruht". Mit "existentiellen Experimenten" umschreibt der Verein, dass sich der Briefträger mit gefälschten Zeugnissen auch Anstellungen als Arzt verschafft hat und in den neunziger Jahren zwei Jahre lange als "Oberarzt" und "Psychiater" im sächsischen Zschardraß tätig war. Das Leipziger Landgericht verurteilte Gert Postel dafür zu vier Jahren Haft. (reb.)

Sächsische Zeitung, Mittwoch, 6. Juni 2007, Titelseite!: www.iaapa.org.il/46024/PoatelArticleFrontPag

Der Hochstapler als Held

Der falsche Arzt Gert Postel führt heute in Dresden den Protest gegen einen Psychiatrie-Kongress an.

Von Heinrich Löbbers

Das wäre die Krönung einer der kurioses­ten Karrieren im ganzen Lande. Ein ge­lernter Postbote, der als falscher Arzt Karriere machte und als Hochstapler verurteilt wurde, soll den Nobelpreis für Medizin bekom­men. So fordert es jedenfalls die Bundesarbeits­gemeinschaft Psychiatrie-Erfahrener. Gert Pos­tel habe bewiesen, dass es gar kein psychiatri­sches Wissen gebe und Psychiatrie gegen die Menschlichkeit gerichtet sei, so die Begründung. In der Tat hatte sich Postel ja in den 90er Jahren mit gefälschten Zeugnissen zum Oberarzt der Nervenklinik Zschadraß bei Leipzig hochgesta­pelt und wäre beinahe sogar Chefarzt des psy­chiatrischen Krankenhauses in Arnsdorf bei Dresden geworden. Seine Köpenickiade offen­barte einige Peinlichkeiten.

Das mit dem Nobelpreis ist eine verrückte Idee, die gewiss nicht erhört wird. Gert Postel aber kommt zu neuen Ehren. Heute hat er seinen großen Auftritt in Dresden - als Schirmherr der Anti-Psychiatrie-Bewe­gung. Er soll den Protest der „Psychiatrie-Erfahrenen" gegen einen internationalen Kongress anführen, den der Dresdner Professor Thomas Kallert organisiert hat. Dort wollen einige Hundert Ärzte über Zwangsbe­handlungen in der Psychiatrie diskutieren. Aus Kallerts Sicht können solche Zwangsmaßnah­men durchaus gerechtfertigt sein, für die Protestierer aber sind sie Folter.

Ein Fall für Postel, der in­zwischen eine Haftstrafe ab­gesessen, ein Buch mit dem Titel „Doktorspiele" ge­schrieben hat und an einem weiteren schreibt. Der 48-Jäh­rige, der jetzt in Marburg wohnt, ist ja nicht etwa reumutig, sondern offenbar stolz auf seinen be­ruflichen Werdegang. Er habe ein „gesell­schaftskritisches Ding" gemacht und der Psychiatrie den Spiegel vorgehalten, lobt er sich selbst. In Dresden will er heute aus seinem Buch lesen und „kritische Kom­mentare" zum Kongress der „World Psychiatrie Association" verkünden. „Die Macht der Psychiatrie" heißt die Veranstaltung, für die das Rathaus um 19 Uhr sogar den Ratssaal zur Verfügung stellt. In den nächsten Tagen finden zudem Protestaktionen am Rande der Tagung im Kongresszentrum statt.

Aus Sicht der „Psychiatrie-Erfahrenen" hat Postel „einen empirischen Beweis dafür geliefert, dass es so etwas wie psychische Krankheit gar nicht gibt". Der Hochstapler ist für sie ein Held, der im Internet mittlerweile sogar einen eigenen Fanclub hat. In Dresden werden seine Fans ihrem Helden nun auch leibhaftig huldigen.

Bundesarbeitsgemeinschaft Psychiatrie-Erfahrener e.V.
International Association Against Psychiatric Assault (IAAPA)
Werner-Fuss-Zentrum G.B.R. aus Irren-Offensive e.V.
und
Landesverband Psychiatrie-Erfahrener Berlin-Brandenburg e.V.

Pressemitteilung:

Wir freuen uns mitteilen zu können, dass die-BPE gemeinsam mit kooperierenden Organisationen eine Kampagne initiiert hat, in der Gert Postel für den Medizin Nobelpreis vorgeschlagen wird.

Neben den Informationen über den inzwischen angemeldeten Protest gegen den Weltkongress der Psychiatrie in Dresden, möchten wir Sie gerne über diese Kampagne, ihre Motivation und wie sie international unterstützt wird, vertraut machen

Bemerkenswert ist im Übrigen, dass der Organisator des Kongresses der World Psychiatric Association, Prof. Kallert, nun auch öffentlich bestätigte, dass Folter, Zwang und Gewalt in der Psychiatrie bei diesem Kongress nicht diskutiert, sondern nur perfektioniert werden sollen. Zitat Prof. Kallert am 24.5. in der LVZ und der DNN: "Natürlich sind Zwangsmaßnahmen in der Psychiatrie gerechtfertigt."
Wir freuen uns, dass sich zumindest unser Wunsch nach einem finanziellen Fiasko dieses Kongresses erfüllt: Wie unsere Ermittlungen inzwischen ergeben haben, kommen statt der erwarteten 1500 Besucher kaum 300 Besucher zu diesem verwerflichen Treffen. Damit entpuppt sich der Kongress nicht nur inhaltlich, sondern auch finanziell als ein jämmerliches Desaster.

Es wird Zeit für eine Entschuldigung

In der schon lange währenden Debatte um die Verantwortung der Wissenschaft für Verbrechen gegen die Menschlichkeit wurde eine Institution bisher ausgeblendet: der Nobelpreis.

Als Unterzeichner dieses Aufrufs wollen wir an die unmoralische Verleihung des Nobelpreises für Lobotomie an Antonio Egas Moniz im Jahr 1949 erinnern. Die Lobotomie, insbesondere wenn sie mit dem in der Psychiatrie üblichen Zwang und unter Gewaltanwendung ausgeübt wurde, war ein offensichtliches Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Dafür Antonio Egas Moniz mit dem Nobel-Preis zu belohnen, gab dieser Grausamkeit den Ruf guter medizinischer Praxis und förderte ihren Gebrauch.

Da der Nobelpreis nicht zurückgenommen werden kann, appellieren wir an das Nobelpreis-Komitee sowie die Universitäten, die zur Nomination für den Nobelpreis autorisiert sind, sich mit einer Geste eigener Art zu entschuldigen: Durch die Verleihung des Nobelpreises für Medizin an Gert Postel, der erfolgreich den Chefarzt einer Psychiatrie vorgetäuscht hat. Seit 1981 hat er dreimal bewiesen, dass es gar kein psychiatrisches Wissen gibt und er hat somit Psychiatrie als eine gegen die Menschlichkeit gerichtete Institution aufgedeckt. Er hat mit seinem existentiellen Experiment bewiesen, dass es innerhalb der Wissenschaft eine Stimme der Moral gibt, welche in der Tat notwendig ist, um die Möglichkeiten von wissenschaftsfundierter Technik und medizinischer Praxis zu begrenzen.

Dieser Aspekt von Gert Postels Arbeit muss belohnt werden, jenseits aller Kontroverse darüber, ob er kriminelle Methoden anwendete, als er eine ärztliche Approbation fälschte, die es in der Psychiatrie sowieso nicht geben kann und die ihn insofern in einen diametralen Gegensatz zu einem der Hauptdogmen der Medizin gebracht hat.

Gert Postel vollendete das berühmte David L. Rosenhan Experiment und hat bewiesen, dass es auch auf der Ärzteseite jederzeit wiederholt werden kann. Er hat folglich einen empirischen Beweis dafür geliefert, dass es so etwas wie "psychische Krankheit" gar nicht gibt.

Beschluss der Mitgliederversammlung der Bundesarbeitsgemeinschaft Psychiatrie-Erfahrener e.V. vom 15.5.2007
Beschluss der Mitgliederversammlung der International Association Against Psychiatric Assault vom 24.4.2007
Beschluss des Plenum des Werner-Fuss-Zentrums vom 23.5.2007
Beschluss der Vorstände von Landesverband Psychiatrie-Erfahrnerer Berlin-Brandenburg e.V. und Irren-Offensive e.V.



24.5.2007 in der Leipziger Volkszeitung und Dresdner Neueste Nachrichten, S. 4

Postel hält Einzug ins Rathaus
Verurteilter Hochstapler führt Protest gegen Dresdner Psychiatrie-Kongress an

Von ARMIN GÖRTZ
Leipzig. Gert Postel kehrt nach Sachsen zurück. Nicht nach Zschadraß im Muldental, wo der gelernte Postbote in den 90ern zwei Jahre lang dank gefälschter Zeugnisse als Oberarzt einer Nervenklinik wirkte und die Justiz mit psychiatrischen Gutachten versorgte. Postel kommt auch nicht nach Leipzig, wo er wegen der Hochstapelei zu vierjähriger Haft verurteilt wurde. Ihn zieht es jetzt ins Dresdner Rathaus.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Psychiatrie- Erfahrener hat ihn zum Schirmherren gekürt und setzt auf ihn, um gegen einen Kongress in Dresden zu protestieren. „Er ist ein Held“, behauptet René Talbot, Vorstandsmitglied des Vereins und Betreuer der Postel- Fan-Homepage. Sitz des Fanklubs und des Anti-Psychiatrie-Vereins ist das Berliner Haus der Demokratie und Menschenrechte. Postel habe „mit seinen verdeckten Ermittlungen“ bewiesen, „dass es kein psychiatrisches Wissen gibt, sondern nur Sprechblasen“, behauptet Talbot.

Im Leipziger Prozess hatte ein Gutachter erklärt, dass es Postel bei seinen Arzt-Auftritten um „Beruf, Status und Macht“ gegangen sei. War sein Einsatz in Wahrheit eine verdeckte Ermittlung? „Nicht der Absicht nach, aber im Ergebnis schon“, erklärt der 48-Jährige im Gespräch mit dieser Zeitung. Die Schirmherrschaft über den Verein habe er übernommen, „weil ich immer eine psychiatriekritische Haltung hatte“, sagt er. „Psychiatrie ist Hochstapelei, nichts anderes.“

Thomas Kallert, echter Psychiater, kann beim Namen Postel einen Heiterkeitsausbruch nicht unterdrücken, doch dass jener als verdeckter Ermittler gepriesen wird, lässt den Humor des Professors verfliegen. Ernst ist angesichts des sensiblen Themas ohnehin angebracht: Kallert, Chefarzt im Leipziger Parkkrankenhaus, hat ein EU-Projekt zum Einsatz von Zwangsmaßnahmen in der Psychiatrie koordiniert. Hunderte Teilnehmer werden die Ergebnisse vom 6. bis 8. Juni in Dresden beim Kongress des Psychiatrischen Weltverbandes diskutieren. „Natürlich“, so erklärt der 47-jährige Organisator, „sind Zwangsmaßnahmen in der Psychiatrie gerechtfertigt.“ Dies sei – zum Teil sehr streng – rechtlich definiert. Auf dem Kongress sind auch für die Überwachung der Regeln zuständige Gremien wie der Europarat vertreten, zudem legen Psychiatriekritiker ihren Standpunkt dar.

Auf solche Kongress-Mitwirkung legt die Bundesarbeitsgemeinschaft Psychiatrie- Erfahrener keinen Wert. Sie meint, psychiatrische Zwangsbehandlung sei „menschenverachtende Folter“. „Wir wollen nicht die Folterer belehren“, erklärt Vorstandsmitglied Talbot in gleicher Tonart. Umso mehr setzt der Verein auf Postels Popularität: Am 5. Juni gibt es eine Pressekonferenz, Interviewmöglichkeitenund die Aufführung eines Postel-Films im Kino Metropolis. Am 6. Juni, 19 Uhr, folgt der Auftritt im Rathaus – ein Ort, der Postel euphorisch stimmt. Die Stadt habe den Ratssaal an den Dresdner WIR e. V. vermietet, erklärt Dresdens Pressesprecher Karl Schuricht auf Anfrage. Denn die Psychiatrie-Gegner veranstalten den Abend gemeinsam mit jenem Verein. Eine verblüffende Partnerschaft:
WIR ist als Betreiber einer Bürogemeinschaft bekannt, zu der vor allem Linkspartei-nahe Organisationen und Abgeordnete wie Katja Kipping und Julia Bonk zählen.

Postel will aus seinem im Herbst erscheinenden Roman und aus seiner Autobiografie lesen. Die zeugt pikanterweise davon, dass der nunmehrige Psychiatrie- Gegner als Oberarzt selbst zu Zwangsmaßnahmen griff, wenn auch nicht zu psychiatrischen: Ein Ausbruchsversuch seelisch kranker Straftäter aus dem Zschadraßer Maßregelvollzug wurde von Postel im Bunde mit der Polizei beherzt im Keim erstickt.


Bundesarbeitsgemeinschaft Psychiatrie-Erfahrener e.V.

Bitte hier klicken, um das ganze  Plakat zu sehen!
Bild anklicken, um das ganze Plakat zu sehen!

Haus der Demokratie und Menschenrechte
Greifswalder Straße 4
10405 Berlin

Fax: 030-782 8947

www.die-bpe.de

17. Mai 2007

Presseerklärung:

The torturers are worried - Die Folterer sind in Sorge

Vom 6.-8. Juni soll in Dresden ein Weltkongress der Psychiatrie zum Thema Zwangsbehandlung stattfinden.

Wir meinen, dass psychiatrische Zwangsbehandlung menschenverachtende Folter ist.

Wir fordern die Veranstalter auf, den Kongress abzusagen. Teilnehmer, die schon ihre Anreise und Übernachtung gebucht haben, könnten stattdessen die touristischen Attraktionen von Dresden genießen.
Der Kongress ist von Übel, da ihm als Prämisse folterartiger Zwang und Gewalt in der Psychiatrie zugrunde liegen. Genau diese Prämisse bestreiten wir. Für diese Gewaltmaßnahmen kann es auch dann keine Entschuldigung geben, wenn behauptet wird, es handle sich um eine "medizinische" Behandlung, denn für eine solche müsste der Grundsatz des "informed consent", d.h. informierte Zustimmung, als unverletzliches Menschenrecht gelten.
Die unmittelbare Nähe von psychiatrischer Zwangsbehandlung und Folter ist also evident1.

Für die medizinisch maskierte psychiatrische Gewalt in Form von Einsperrung und Zwangsbehandlung bildet eine Schein"Diagnose" in psychiatrischem Jargon die Grundlage. Wir meinen, dass es sich dabei um eine Verleumdung handelt, insbesondere bei solchen Worten wie "Schizophrenie", der Erfindung eines gewissenlosen Eugen Bleulers, der inzwischen bekannt dafür geworden ist, dass er seriell ein typisches Naziverbrechen begangen hat: Zwangssterilisationen. Diese Zwangssterilisationen waren der Auftakt für die Singularität der deutschen Ärzteverbrechen: systematischer Massenmord in der Gaskammer, der die Vorlage für den Mord an den europäischen Juden, Sinti, Roma und Anderen war.

Niemand hat die völlige Inhaltsleere des psychiatrischen Jargons besser demonstriert als Gert Postel. Gert Postel wurde, obwohl nur ausgebildet zum Postboten, zum Chefarzt einer sächsischen Psychiatrie befördert. Durch seine verdeckten Ermittlungen kennt er den Machtapparat der Zwangspsychiatrie von innen. So kann er von der Innenseite einer Macht berichten, die nur auf der Mystifikation eines nicht-vorhandenen Wissens und der Gläubigkeit ihrer Untertanen beruht. Deshalb freuen wir uns sehr, dass wir ihn für eine Veranstaltung am 6. Juni um 19 Uhr im Dresdner Rathaus gewinnen konnten, in der er die Strukturen ihrer Machterhaltung ironisiert.
Diese Veranstaltung findet in Kooperation mit WIR e.V. Dresden statt.

Um der interessierten Öffentlichkeit in Dresden eine breite Informationsmöglichkeit zu bieten, zeigen wir außerdem bei freiem Eintritt im Filmtheater Metropolis die Filmreihe Psychiatrie-Kritik:

5. Juni - 20 Uhr: Das Foucault Tribunal 22 Uhr: Interview mit Gert Postel + Michel Foucault, Philosoph
7. Juni - 20 Uhr: For your own good 22 Uhr: Frances
8. Juni - 20 Uhr: Sichten und Vernichten + Unheimliches Wiedersehen 22 Uhr: Healing by Killing

Direkter Protest vor dem Kongressgebäude ist in Planung. Wir hoffen, dass den Teilnehmern des Kongresses rechtzeitig verständlich wird, das dieser Kongress von den Betroffenen unerwünscht ist. Er möge für die Veranstalter ein finanzielles Fiasko werden, wenn unsere Forderung einer Stornierung des Kongresses ignoriert werden sollte.

Beschluss der Mitgliederversammlung der Bundesarbeitsgemeinschaft Psychiatrie-Erfahrener e.V. vom 15.5.2007


1) Zwangspsychiatrie, ein Foltersystem: www.iaapa.de/zwang2_dt/halmi.htm




Gert Postel verändert die rechtspolitische Diskussion:
ZRP (Zeitschrift für Rechtspolitik) 4/2004, S. 131:

"der SPIEGEL" (42/2006, S. 54) Zitat:

"Fehler, die da fast zwangläufig entstehen, fallen den Richtern - psychiatrischen Laien - häufig nicht auf. Wie sonst hätte etwa der Hochstapler Gert Postel, vormals Postbote, zwischen 1995 und 1997 als angeblicher Facharzt für Psychiatrie in Sachsen unbeanstandet mehr als zwei Dutzend Gutachten verfassen können?"

Leserbrief von Gert Postel an den "Spiegel" als Antwort darauf:

Meine Gerichtsgutachten sind leider kein gutes Beispiel, um die These von den leicht zu täuschenden deutschen Richtern zu belegen. Denn meine Gutachten erfüllten die von den Professoren Leygraf und Kröber (auch zum eigenen Machterhalt) propagierten Mindesstandards für Schuldfähigkeits- und Prognosegutachten allemal. Das lag u.a. daran, daß sich in der Zschadrasser Klinikbibliothek ein Muttergutachten befand, das ich in Gliederung und Klarheit der Diktion mir immer wieder zum Vorbild nahm. Verfasser dieses Muttergutachtens war - wen wundert´s - Prof. Dr. Norbert Leygraf. Als ich aufflog, wurden alle meine Gutachtenfälle nachbegutachtet, ohne dass eine einzige Beurteilung geändert werden mußte. Es geht nämlich bei der Begutachterei weniger um die Einhaltung formaler Kriterien als um das untrügliche Gespür dafür, was die Zeitläufe gegenwärtig von den führenden Psychiatern des Landes erwarten.
Dieses Gespür besitzt nicht jeder Psychiater, wohl aber Karl-Ludwig Kröber und Norbert Leygraf (und ich).

Gert Postel


Der Theaterstapler
Die Tageszeitung vom 29. 6. 2006

Gegenüber der Taz bekundet Leander Haußmann die Echtheit seines Interesses:
"Das sind eigentlich Volkshelden, die stellvertretend für uns Rache am Establishment üben."


zum Anfang der Seite